Warum die immer früheren Ernten in der Champagne mir Sorgen machen (und was das für unseren Champagner bedeutet)
Wenn ich in den Nachrichten lese, dass die Weinlese in der Champagne wieder einmal so früh startet wie noch nie, dann zucke ich mittlerweile nicht mehr zusammen. Ich seufze eher. Denn das ist längst kein Ausreißer mehr, sondern ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt. Als ich mich das erste Mal intensiver mit Champagner beschäftigt habe, war eine Ernte Ende September fast schon die Regel. Heute lese ich Schlagzeilen über Lesebeginn Mitte August – und irgendwo in mir als Enthusiast fragt sich: Was bedeutet das eigentlich für den Wein, den ich so liebe?
Was hat es mit dem frühen Erntestart eigentlich auf sich?
Die Champagne liegt klimatisch ziemlich weit im Norden – genau das macht die Region ja so besonders. Kühles Klima, hohe Säure, feine Perlage. Die ganze Stilistik des Champagners baut eigentlich darauf auf, dass die Trauben nicht zu schnell und nicht zu heiß reifen. Wenn jetzt aber Hitzewellen den Reifeprozess massiv beschleunigen, verschiebt sich genau dieses Gleichgewicht, auf dem der ganze Charakter des Champagners beruht.
Was ich beim Lesen über diese Entwicklung verstanden habe: Es geht nicht nur darum, dass die Trauben früher süß genug sind. Es geht darum, dass Zuckergehalt und Säuregehalt in einem völlig anderen Tempo zueinander laufen als früher. Hitze lässt den Zucker schnell hochschießen, während die Säure – die für die Frische und Spannung im Glas so entscheidend ist – viel schneller abgebaut wird. Die Winzer müssen also lesen, sobald dieses Fenster passt, auch wenn das bedeutet, mitten im Hochsommer die Trauben von den Reben zu holen.
Warum mich das als Champagner-Liebhaber wirklich beschäftigt
Ich bin kein Klimaforscher und will hier auch keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben. Aber als jemand, der zuhause regelmäßig Champagner verkostet und sich fragt, warum manche Jahrgänge anders schmecken als andere, kann ich nicht ignorieren, dass sich hier etwas Grundlegendes verändert.
Was mich daran fasziniert – und gleichzeitig nachdenklich macht – ist, dass Champagner eigentlich der Inbegriff von Beständigkeit sein soll. Die großen Häuser bauen ihre Cuvées ja genau darauf auf, Jahr für Jahr einen konsistenten Stil zu liefern, unabhängig von Wetterkapriolen. Dafür gibt es die Reserveweine, dafür gibt es das ganze Können der Kellermeister. Aber wenn sich die Grundvoraussetzungen im Weinberg so drastisch verschieben wie durch immer frühere, hitzegetriebene Ernten, frage ich mich, wie lange dieses Sicherheitsnetz noch trägt.
Schmeckt man den Klimawandel schon im Glas?
Ehrlich gesagt: Ich vermute es, auch wenn ich das nicht mit letzter Sicherheit behaupten kann. Wenn ich ältere Jahrgangs-Champagner neben aktuellere Abfüllungen stelle, meine ich manchmal einen Unterschied zu schmecken – etwas fülliger, etwas weniger von dieser messerscharfen Säure, die ich an klassischem Champagner so liebe. Ob das Einbildung ist oder tatsächlich am Klima liegt, kann ich nicht seriös beurteilen. Aber die Tendenz zu höheren Alkoholwerten und etwas reiferen Fruchtnoten in vielen neueren Champagnern ist mir schon aufgefallen.
Was bedeutet das für die Zukunft von Champagner?
Ich glaube, wir